Georg Simon: Spaßvogel abseits des Platzes

Georg Simon: Spaßvogel abseits des Platzes

Gaißachs Kapitän im Porträt

Autor: Nick Scheder - Isar-Loisach-Bote
Foto: Demmel/A

Georg Simon (27): Der Spaßvogel, Antreiber und Kapitän beim SC Gaißach hat auf dem Platz viel für den Alltag gelernt
 

Gaißach – Schlecht drauf sein, fällt ihm schwer. „Das ist anstrengend. Da muss schon viel passieren, dass ich mal schlechte Laune hab’“, sagt Georg Simon. Zum Beispiel eine Niederlage des FC Bayern München gepaart mit einer Pleite des SC Gaißach am selben Wochenende. Kommt schon mal vor. „Dann wird der Montag schon etwas schwierig“, sagt der glühende Fan des Rekordmeisters und Kapitän des SC Gaißach. Aber er grinst dabei.

Der 27-Jährige ist ein Spaßvogel. Immer einen Spruch auf den Lippen. Nie um eine Antwort verlegen. Aber der Gaißacher ist auch ein herzensguter, hilfsbereiter Mensch, ein kameradschaftlicher Typ. „Ich hab’ gerne mit anderen Menschen zu tun.“

Ernst wird Simon erst auf dem Fußballplatz. Wenn es um etwas geht. Um seinen SC Gaißach. Seit frühester Kindheit ist er im Verein, sein großer Bruder Stefan zog ihn mit vier Jahren mit zum Fußball. Seitdem gehört Georg Simon dazu. War stolz, als er es in die erste Mannschaft geschafft hatte. Feierte jeden Aufstieg mit, jeden Klassenerhalt in der Bezirksliga, trauerte nach jedem Abstieg – zuletzt in der Vorsaison.

Ein Vereinswechsel kam für ihn nie in Frage – unabhängig vom Talent. Simon ist vielleicht nicht der allerbeste Techniker, „a bissl schneller könnte ich noch sein“, sagt er und grinst. Aber er hat viel Übersicht, Ehrgeiz und Willen, geht dahin, wo es wehtut. Außerdem hat er Spaß beim SC Gaißach. „Ich stehe mit meinen Spezln auf dem Platz, wir sind ein eingeschworener Haufen, das ist in Goaßa sehr ausgeprägt, da gibt es nichts Schöneres.“

Seit neun Jahren ist Simon nun auch im Nachwuchsbereich tätig. Als Trainer mit C-Schein – derzeit bei den A-Junioren – und Jugendleiter zusammen mit Edi Hanakam. „Ich bin so gut wie jeden Tag auf dem Platz – mit der Ersten oder mit der Jugend“, sagt der 27-Jährige. „Fußball ist deshalb ein ganz großer Teil meines Lebens.“

Der andere Teil ist – die Arbeit. Simon ist Groß- und Außenhandelskaufmann, war lange Zeit bei der Baywa, legte nach zum Handelsfachwirt und hat gerade den Job gewechselt. Nun ist er Verkaufsberater bei einem Holzhandel in Oberhaching. Das war das, was er sich beruflich schon früh ausgemalt hat – wenn er nicht gerade von einer Profi-Karriere beim FC Bayern träumte. „Aber man wird älter, realistischer, das verfliegt irgendwann. Andere Dinge werden wichtiger.“

Die Leseratte, die schon mal bis nachts um zwei ein gutes Buch verschlingt, wuchs „gut behütet“, wie er selbst sagt, in Gaißach auf. Er besuchte die Grundschule im Dorf, daheim war er das Nesthäkchen: Stefan (34) und Regina (36) waren die älteren Geschwister. „Schorsch“ war Ministrant – bis zur Firmung – ging Skifahren oder Fußballspielen, draußen oder in der Halle. Die Verbundenheit zum Sport lag in der Familie. Auch auf dem Tennisplatz lieferte er sich so manches Duell mit dem älteren Bruder, entschied das eine oder andere Match sogar für sich – bis Stefan regelmäßig im Verein trainierte.

Der sieben Jahre ältere Bruder war ein Vorbild für ihn. „Er hat vieles gemacht, was ich auch machen wollte, zu ihm konnte ich immer aufschauen.“ Zumindest, bis er selbst ebenfalls in der ersten Mannschaft beim SC Gaißach spielte. „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis.“

Später ging er auf die Realschule Tölz, machte anschließend die Ausbildung bei der Baywa. Auch als Spieler übernahm Georg Simon immer mehr Verantwortung in der Abwehr, kehrte mit Gaißach 2012 in die Bezirksliga zurück, erlebte aber auch den erneuten Abstieg in die Kreisliga 2015 – und das Durchreichen in die Kreisklasse. Heuer wurde er zum Kapitän gewählt. Das Amt nimmt er sehr ernst, nimmt sich seine Kollegen, die ja auch seine Freunde sind, bei schlechter Leistung schon mal zur Brust. Denn sich für etwas einzusetzen, ist ihm wichtig. Aufgeben? Kommt für Georg Simon überhaupt nicht in Frage. Das hat er vom Fußball für sein Leben allgemein mitgenommen; wie so vieles andere. „Teamgedanke, Zusammenhalt, Verantwortung übernehmen, Selbstvertrauen gewinnen, durch die Erfahrungen auf dem Fußballplatz steht man ganz anders da im Alltag, finde ich.“

Etwas, für das er gerne mehr Zeit hätte, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen. Seine letzte Partnerschaft liegt schon eine ganze Weile zurück: Er ist zu haben, „des kannst schreiben!“ sagt Simon. Er grinst auch dabei fröhlich. Doch für einen Moment ist es dem Spaßvogel einfach nur ernst.